Kurz erklärt
Nach einem Wildunfall sichert der Kunde die Unfallstelle ab, fasst das Tier nicht an und verständigt Polizei, Förster oder Jagdpächter, auch wenn das Tier geflüchtet ist. Von dort bekommt er die Wildunfallbescheinigung, die die Kaskoversicherung in der Regel verlangt. Fotos von Unfallstelle und Fahrzeug kommen dazu. Danach meldet er den Schaden unverzüglich der Versicherung und seinem Betrieb.
Warum beim Wildunfall die ersten Minuten zählen
Ein Wildunfall passiert meistens auf der Landstraße, oft in der Dämmerung, und fast immer überraschend. Der Kunde steht unter Schock, das Auto ist beschädigt, vielleicht liegt ein Tier auf der Straße. In diesem Moment denkt niemand an die Versicherung.
Genau das macht den Wildunfall für die spätere Abwicklung heikel. Die Kaskoversicherung will in der Regel einen Nachweis, dass es wirklich ein Zusammenstoß mit Wild war. Diesen Nachweis stellen Polizei, Förster oder Jagdpächter aus, und zwar am besten dann, wenn sie die Unfallstelle gesehen haben. Fehlt er, wird die Regulierung schwierig.
Für deinen Betrieb heißt das: Der beste Moment, deinen Kunden den Ablauf zu erklären, ist vor dem Unfall. Eine Karte im Handschuhfach oder eine Seite auf deiner Website mit den Schritten hilft mehr als jede Erklärung danach am Telefon.
Der Ablauf an der Unfallstelle
Diese Schritte kannst du deinen Kunden so mitgeben. Sie decken sich mit den Empfehlungen der Verbraucherzentrale:
Absichern
Warnblinker an, Warnweste anziehen, bevor man aussteigt, Warndreieck aufstellen. Bei Verletzten den Notruf 112 wählen.
Tier nicht anfassen
Verletzte Tiere können sich wehren, tote Tiere Krankheitserreger tragen. Das Tier auf keinen Fall mitnehmen: Wer sich Wild aneignet, verletzt fremdes Jagdrecht und kann sich nach § 292 StGB strafbar machen.
Polizei, Förster oder Jagdpächter verständigen
Auch wenn das Tier geflüchtet ist. Dann die Fluchtrichtung merken. Die Polizei informiert bei Bedarf den zuständigen Jäger.
Fotos machen
Unfallstelle, Fahrzeug mit Kennzeichen, Schaden aus Abstand und Nähe, Spuren am Auto wie Haare oder Blut, und wenn möglich das Tier.
Wildunfallbescheinigung geben lassen
Polizei, Förster oder Jagdpächter stellen sie aus. Sie bestätigt, dass es ein Zusammenstoß mit Wild war, und wird für die Versicherung gebraucht.
Landesrecht beachten
Ob und wen man nach einem Wildunfall verständigen muss, regeln die Bundesländer unterschiedlich. Die sichere Empfehlung für Kunden lautet deshalb: immer die Polizei anrufen.
Was die Versicherung zahlt
Der Zusammenstoß mit Wild ist ein typischer Teilkaskoschaden. Nach Angaben der Verbraucherzentrale deckt die Teilkasko üblicherweise Zusammenstöße mit Wild wie Reh, Hirsch oder Wildschwein; je nach Tarif auch mit anderen Tieren. Die Vollkasko zahlt laut Verbraucherzentrale Schäden am eigenen Auto bei allen Tierunfällen, auch wenn das Tier verschwunden ist.
Schwieriger ist das Ausweichen. Wer einem Tier ausweicht und dabei von der Straße abkommt, ohne das Tier zu berühren, braucht einen Nachweis, dass das Ausweichen verhältnismäßig war. Bei kleinen Tieren wie Hasen oder Mardern bleibt der Kunde laut Verbraucherzentrale häufig ohne Schutz aus der Teilkasko. Das ist ein Punkt, den deine Annahme kennen sollte, aber nicht entscheidet.
| Situation | In der Regel zuständig | Was der Kunde braucht |
|---|---|---|
| Zusammenstoß mit Wild | Teilkasko, je nach Tarif mit Selbstbeteiligung | Wildunfallbescheinigung, Fotos, Schadennummer |
| Zusammenstoß mit anderem Tier | Je nach Tarif Teilkasko, sonst Vollkasko | Blick in den Vertrag, Fotos |
| Ausweichen ohne Berührung | Je nach Fall und Vertrag Teilkasko oder Vollkasko | Nachweis der Umstände, Zeugen, Fotos |
| Schaden an fremden Fahrzeugen | Die Kfz-Haftpflicht des Kunden | Daten der anderen Beteiligten |
Was deine Annahme beim Wildunfall prüft
Ein Wildunfall trifft fast immer die Front: Stoßfänger, Kühlergrill, Scheinwerfer, Motorhaube, oft auch Kühler und Sensoren. Für die Planung ist deshalb nicht nur die sichtbare Delle wichtig, sondern die Frage, was dahinter passiert ist.
- Liegt die Wildunfallbescheinigung vor? Wenn nicht: Wer war vor Ort, Polizei oder Jäger?
- Ist das Auto fahrbereit? Leuchten Warnlampen, tritt Flüssigkeit aus, funktionieren die Scheinwerfer?
- Sitzen in der Front Radarsensor oder Kamera für Abstands- und Notbremsassistent?
- Hat der Kunde den Schaden schon seiner Versicherung gemeldet, gibt es eine Schadennummer?
- Wo steht das Auto, muss es abgeschleppt werden?
Die Frage nach der Fahrbereitschaft ist hier besonders wichtig. Ein beschädigter Kühler fällt nicht immer sofort auf, kann aber auf der Heimfahrt zum Motorschaden führen. Im Zweifel lieber abschleppen lassen. Was in die vollständige Aufnahme gehört, zeigt die Checkliste zur Schadenaufnahme.
Die Meldung beim Betrieb: was der Kunde mitschickt
Wildunfälle lassen sich gut digital melden, weil die wichtigsten Belege ohnehin Fotos und ein Dokument sind. Ein Kunde, der über eine Meldestrecke meldet, schickt idealerweise Folgendes mit:
- Foto der Wildunfallbescheinigung, sobald er sie hat.
- Fotos der Front aus Abstand und aus der Nähe, dazu die Spuren am Fahrzeug.
- Foto vom Fahrzeugschein und vom Kilometerstand.
- Datum, Uhrzeit und Ort, möglichst genau, etwa Straße und Richtung.
- Angabe, ob das Auto fahrbereit ist und wo es steht.
In Mein Schadenfall meldet der Kunde den Wildunfall mit Fotos direkt vom Handy; welche Wege deine Meldestrecke enthält, richtet sich nach den Leistungen deines Betriebs. Wie das aussieht, zeigt So funktioniert es. Wie Kunden die Fotos richtig machen, steht im Artikel Schadenfotos richtig machen.
Kunden vorbereiten, bevor es passiert
Wildunfälle häufen sich dort, wo Straßen an Wald und Feld vorbeiführen, und zu den Zeiten, in denen Tiere unterwegs sind. Betriebe auf dem Land kennen das aus eigener Erfahrung. Die beste Vorbereitung ist ein kurzer Hinweis, der beim Kunden bleibt.
- Eine Karte fürs Handschuhfach mit den fünf Schritten und dem QR-Code deiner Meldestrecke.
- Ein Beitrag in deinem Google-Unternehmensprofil und auf Social Media, wenn die Tage kürzer werden.
- Ein Satz bei der Fahrzeugübergabe: „Falls dir mal ein Reh reinläuft: Polizei anrufen, Bescheinigung holen, dann hier melden.“
Wie du deinen Meldeweg an diesen Stellen bekannt machst, beschreibt der Artikel Schadenmeldung bekannt machen. Welche Stufe von Mein Schadenfall zu deinem Betrieb passt, steht auf der Seite Pakete; Fragen klären wir in einer kostenlosen Beratung.
Keine Rechtsberatung. Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Maßgeblich sind der jeweilige Versicherungsvertrag und die aktuelle Rechtslage; bei Fragen zum eigenen Fall hilft ein Verkehrsanwalt.
Quellen
Über den Autor
Christoph Brinke
Gelernter Lackierer und Kfz-Sachverständiger, heute Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH in Elchingen bei Ulm, die Mein Schadenfall betreibt. Er kennt die Schadenmeldung aus Werkstatt, Begutachtung und Abwicklung.
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