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Schadenmeldung

Steinschlag und Glasschaden melden: was du deinen Kunden mitgibst

Beim Steinschlag arbeitet die Zeit gegen den Kunden: Aus einem kleinen Punkt, der sich reparieren lässt, wird ein Riss, und dann muss die Scheibe raus.

Christoph BrinkeChristoph Brinke
Geschäftsführer, Smoke and Luck GmbH
6 Minuten Lesezeit

Kurz erklärt

Nach einem Steinschlag sollte der Kunde die Stelle abdecken, Fotos machen und den Schaden zügig beim Betrieb und bei seiner Teilkasko melden. Ob repariert oder getauscht wird, hängt laut ADAC von Größe, Lage und Tiefe ab: Im Sichtfeld des Fahrers oder nahe am Rand wird getauscht. Bei Scheiben mit Kamera gehört die Kalibrierung der Assistenzsysteme in die Meldung.

Warum der Steinschlag nicht warten sollte

Ein Steinschlag ist der Schaden, den Kunden am liebsten vertagen. Er tut nicht weh, das Auto fährt, und der Punkt in der Scheibe ist kleiner als ein Fingernagel. Genau deshalb landet er oft erst Wochen später in deiner Annahme, und dann ist aus dem Punkt ein Riss geworden.

Temperaturwechsel, Erschütterungen und Feuchtigkeit setzen der beschädigten Stelle zu. Der ADAC nennt als eine Bedingung für die Reparatur, dass noch kein Wasser oder Schmutz eingedrungen ist. Für deine Kunden heißt das: Je früher sie melden, desto eher bleibt es bei einer Reparatur statt eines Tauschs.

Für deinen Betrieb ist die Glasmeldung ein dankbarer Fall. Sie ist klein, häufig und lässt sich fast vollständig digital aufnehmen. Was du dafür brauchst, ist ein Weg, über den der Kunde den Steinschlag meldet, sobald er ihn sieht, nicht erst beim nächsten Werkstatttermin.

Reparieren oder tauschen: die Kriterien

Ob sich ein Steinschlag reparieren lässt, entscheidet der Fachbetrieb am Fahrzeug. Als Orientierung für deine Kunden taugen die Kriterien, die der ADAC veröffentlicht:

MerkmalReparatur in der Regel möglichTausch in der Regel nötig
LageAußerhalb des Sichtfelds des Fahrers (etwa eine DIN-A4-Fläche direkt vor dem Gesicht)Im Sichtfeld des Fahrers
Abstand zum RandMindestens 10 cm vom Scheibenrand entferntNäher am Rand
GrößeKleiner als 5 mmGrößer, oder es hat sich ein Riss gebildet
TiefeNur die Außenseite der Scheibe betroffenZwischenfolie oder Innenscheibe beschädigt
ZustandKein Wasser und kein Schmutz eingedrungenFeuchtigkeit oder Schmutz in der Schadstelle
Kriterien nach ADAC, Stand der Quelle siehe unten. Die Entscheidung trifft der Fachbetrieb am Fahrzeug.

Dazu kommt die Hauptuntersuchung: Ein Schaden im Bereich direkt über dem Lenkrad, den der Scheibenwischer abdeckt, ist laut ADAC in der Regel ein erheblicher Mangel. Dann gibt es zunächst keine neue Plakette. Für Kunden mit anstehender HU ist das ein guter Grund, nicht zu warten.

Was dein Kunde direkt nach dem Steinschlag tut

Diese Schritte kannst du deinen Kunden so mitgeben, auf der Rechnung, auf einer Karte im Handschuhfach oder auf deiner Glasseite:

  1. Stelle abdecken

    Ein Stück klare Folie oder ein Aufkleber über der Schadstelle hält Schmutz und Feuchtigkeit fern, solange die Sicht dadurch nicht leidet. So empfiehlt es auch der ADAC.

  2. Fotos machen

    Ein Foto der ganzen Scheibe, damit die Lage sichtbar ist, und eine Nahaufnahme mit einem Lineal oder Zollstock daneben, damit die Größe erkennbar ist.

  3. Beim Betrieb melden

    Über den Link oder QR-Code deines Betriebs, mit Fotos, Kennzeichen und der Frage, ob eine Kamera hinter der Scheibe sitzt.

  4. Bei der Versicherung melden

    Glasschäden fallen in der Regel unter die Teilkasko. Der Kunde meldet den Schaden dort und fragt nach Selbstbeteiligung und möglicher Werkstattbindung.

  5. Waschanlage und Hitze meiden

    Bis zur Reparatur keine starken Temperaturwechsel, also kein heißes Gebläse direkt auf die kalte Scheibe und keine Waschanlage.

Wer zahlt: Teilkasko, selten der Verursacher

Im Regelfall ist ein Steinschlag ein Fall für die Teilkasko des Kunden. Ein hochgeschleuderter Stein lässt sich nach Einschätzung des ADAC meist keinem Verursacher anlasten, weil der Schaden für den Vorausfahrenden nicht vermeidbar war.

Anders kann es aussehen, wenn ein Stein von einer Ladefläche fällt oder ein Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit über Schotter fährt. Dann kommt die Haftpflicht des Verursachers infrage, der Nachweis ist aber oft schwierig. Für deine Annahme genügt die Frage: Weiß der Kunde, woher der Stein kam? Wenn ja, Kennzeichen und Umstände festhalten.

Ob eine Selbstbeteiligung greift und ob der Tarif eine Partnerwerkstatt vorsieht, steht im Vertrag des Kunden. Wie du danach fragst, ohne den Kunden zu verunsichern, steht im Artikel Haftpflicht- oder Kaskoschaden; die Rechte des Kunden bei der Wahl seines Betriebs beschreibt der Artikel Freie Werkstattwahl.

Kameras hinter der Scheibe: die Kalibrierung gehört in die Meldung

Bei vielen neueren Fahrzeugen sitzt hinter der Frontscheibe eine Kamera für Spurhalte- oder Notbremsassistent. Wird die Scheibe getauscht, muss diese Kamera nach dem Einbau neu kalibriert werden. Das macht den Tausch aufwendiger und ist für deine Planung wichtig.

Deshalb gehört die Frage nach Kamera und Assistenzsystemen schon in die Meldung. Ein Foto vom oberen Rand der Scheibe von innen zeigt in den meisten Fällen, ob dort ein Kameragehäuse sitzt. Mit dem Foto vom Fahrzeugschein kann dein Team die Ausstattung vorab prüfen und Scheibe und Termin passend planen.

Die Fotos, die für eine Glasmeldung reichen

  • Die ganze Frontscheibe von außen, sodass die Lage des Schadens zum Lenkrad erkennbar ist.
  • Die Schadstelle aus der Nähe, mit Lineal oder Zollstock daneben.
  • Der obere Scheibenrand von innen, für Kamera, Regensensor und Spiegelfuß.
  • Der Fahrzeugschein, für Fahrzeug-Identifizierungsnummer und Erstzulassung.
  • Bei Seiten- oder Heckscheibe: die betroffene Scheibe im Ganzen und die Umgebung.

Wie Kunden gute Schadenfotos machen, mit Licht, Abstand und Schärfe, steht ausführlich im Artikel Schadenfotos richtig machen.

Glas für Flotten und Gewerbekunden

Für Betriebe mit Firmenkunden ist Glas ein Türöffner. Ein Fuhrpark mit vielen Fahrzeugen hat regelmäßig Steinschläge, und der Fuhrparkverantwortliche will vor allem eins: dass seine Fahrer den Schaden ohne Umweg melden und das Auto schnell wieder fährt.

Die Glas-Meldestrecke von Mein Schadenfall lässt sich auch gebündelt für Flottenkunden einsetzen: Jeder Fahrer meldet selbst, alle Meldungen laufen bei dir zusammen. Für freie Werkstätten und Autohäuser zeigen die Branchenseiten, wie die Wege dort zugeschnitten sind. Wie die Strecke Schritt für Schritt abläuft, zeigt So funktioniert es.

Keine Rechtsberatung. Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Maßgeblich sind der jeweilige Versicherungsvertrag und die aktuelle Rechtslage; bei Fragen zum eigenen Fall hilft ein Verkehrsanwalt.

Quellen

Christoph Brinke, Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH

Über den Autor

Christoph Brinke

Gelernter Lackierer und Kfz-Sachverständiger, heute Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH in Elchingen bei Ulm, die Mein Schadenfall betreibt. Er kennt die Schadenmeldung aus Werkstatt, Begutachtung und Abwicklung.

Christoph Brinke auf LinkedIn

Antworten

Häufige Fragen

Was soll man nach einem Steinschlag als Erstes tun?

Die Stelle mit klarer Folie oder einem Aufkleber abdecken, solange die Sicht nicht leidet, Fotos machen und den Schaden zügig beim Betrieb und bei der Teilkasko melden. Bis zur Reparatur starke Temperaturwechsel meiden.

Wann kann ein Steinschlag repariert werden?

Laut ADAC, wenn er außerhalb des Sichtfelds des Fahrers liegt, mindestens 10 cm vom Rand entfernt und kleiner als 5 mm ist, nur die Außenseite betrifft und noch kein Wasser oder Schmutz eingedrungen ist. Die Entscheidung trifft der Fachbetrieb.

Welche Versicherung zahlt bei Steinschlag?

In der Regel die Teilkasko des Kunden, je nach Vertrag mit Selbstbeteiligung. Die Haftpflicht eines Verursachers kommt nur infrage, wenn er feststeht und haftet, etwa bei Steinen von einer Ladefläche.

Ist ein Steinschlag ein Problem bei der Hauptuntersuchung?

Liegt der Schaden im Bereich direkt über dem Lenkrad, den der Wischer abdeckt, ist er laut ADAC in der Regel ein erheblicher Mangel. Dann gibt es zunächst keine neue Plakette.

Warum fragt die Werkstatt nach einer Kamera hinter der Scheibe?

Weil eine Kamera für Assistenzsysteme nach dem Scheibentausch neu kalibriert werden muss. Das beeinflusst Teile, Zeitbedarf und Termin. Ein Foto vom oberen Scheibenrand von innen hilft bei der Planung.

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