Kurz erklärt
Einen Kfz-Schaden digital an den Gutachter senden heißt, dem Sachverständigen vor der Besichtigung Hergang, Unfallgegner, Fahrzeugdaten, Standort, Fahrbereitschaft und Fotos über einen festen Weg zu schicken. So kann er den Umfang einschätzen und Besichtigungen planen. Das Gutachten selbst ersetzt die Übermittlung nicht; ob eine Besichtigung nötig ist, entscheidet der Sachverständige.
Warum der Gutachter vorab Daten braucht
Ein Kfz-Sachverständiger verdient sein Geld mit Gutachten, nicht mit Telefonaten. Jede Anfrage, die nur aus „Kannst du dir mal einen Unfallschaden anschauen?“ besteht, zieht zwei, drei Rückrufe nach sich: Wo steht das Auto? Fährt es noch? Wer ist der Gegner? Gibt es Fotos?
Kommen diese Angaben gleich mit, kann der Sachverständige seine Besichtigungen nach Standort bündeln, den Zeitbedarf einschätzen und dem Kunden einen verbindlichen Termin nennen. Für den Betrieb, der den Fall weitergibt, heißt das: Der Kunde wird schneller bedient, und die Reparatur kann früher beginnen.
Diese Angaben gehören in jede Gutachtenanfrage
| Angabe | Wofür der Gutachter sie braucht |
|---|---|
| Standort des Fahrzeugs | Planung der Besichtigung und der Tour |
| Fahrbereit ja oder nein | Ob der Kunde kommen kann oder der Gutachter hinfahren muss |
| Hergang in wenigen Sätzen | Plausibilität von Schadenbild und Unfallablauf |
| Unfallgegner, Kennzeichen, Versicherung | Zuordnung zur regulierenden Haftpflichtversicherung |
| Schadennummer, falls vorhanden | Schnelle Abstimmung mit dem Versicherer |
| Fahrzeugschein als Foto | Fahrzeugdaten ohne Abtippfehler |
| Fotos vom Schaden und vom ganzen Fahrzeug | Erste Einschätzung des Umfangs vor der Besichtigung |
| Kontakt und Erreichbarkeit des Kunden | Terminabsprache ohne Umweg |
Wie die Fotos aussehen sollten, damit sie dem Gutachter wirklich helfen, steht im Artikel Schadenfotos richtig machen.
Drei Wege, die heute üblich sind, und ihre Schwächen
Telefon
Schnell für den Anrufer, mühsam für den Gutachter. Angaben werden mitgeschrieben, Fotos fehlen, und vieles muss später nachgefordert werden.
Fotos kommen an, aber in jeder Mail anders. Mal fehlt der Standort, mal der Gegner, mal sind die Bilder zu klein. Ordnung entsteht erst, wenn jemand sie herstellt.
Messenger
Bequem und schnell, aber die Angaben liegen verstreut im Chat und oft auf einem privaten Handy. Was dabei zu beachten ist, steht im Artikel zur Schadenmeldung per WhatsApp.
Alle drei Wege haben dasselbe Problem: Sie hängen davon ab, dass der Absender von sich aus an alles denkt. Das tut nach einem Unfall niemand. Ein strukturierter Weg mit festen Fragen löst das, weil er nicht auf das Gedächtnis des Absenders angewiesen ist.
Der strukturierte Weg: eine Anfragestrecke im Auftritt des Gutachters
Mit Mein Schadenfall bekommt ein Sachverständigenbüro eine eigene Anfragestrecke in Logo und Farben des Büros. Darin gibt es eigene Wege für Geschädigte, Werkstätten, Autohäuser und Rechtsanwälte. Jeder Weg fragt genau die Angaben aus der Tabelle oben ab, Fotos kommen direkt vom Handy dazu.
Die Anfrage landet per Mail im Büro und im Dashboard. Partnerwerkstätten nutzen denselben Link, um für ihre Kunden ein Gutachten anzufragen, ohne dafür anzurufen. Mehr dazu auf der Seite für Kfz-Sachverständige.
Umgekehrt geht es auch: Ein Autohaus mit eigener Meldestrecke kann festlegen, dass eine Unfallmeldung auf Wunsch gleich mit an den Partner-Gutachter geht. Wie das aussieht, zeigt die Seite für Autohäuser.
Was digital geht und was nicht
Die digitale Übermittlung ersetzt nicht die Arbeit des Sachverständigen. Ob ein Schaden allein anhand von Fotos bewertet werden kann oder ob eine Besichtigung nötig ist, entscheidet der Gutachter. Bei Unfallschäden mit verdeckten Schäden, etwa an Trägern oder Fahrwerk, sieht man auf Fotos naturgemäß nicht alles.
Was digital sehr gut funktioniert, ist alles davor: die Anfrage, die Einschätzung, ob es eilt, die Planung der Tour und die Übergabe aller Unterlagen an einer Stelle. Dort steckt in den meisten Büros mehr Zeit, als man glaubt.
Freie Wahl des Sachverständigen
Bei einem Haftpflichtschaden darf der Geschädigte grundsätzlich einen eigenen Sachverständigen beauftragen. Ob die Kosten übernommen werden, hängt unter anderem von der Schadenhöhe ab; eine feste Bagatellgrenze gibt es nicht. Im Einzelfall hilft ein Verkehrsanwalt.
Für Werkstätten: so gibst du einen Fall sauber an den Gutachter weiter
Viele Gutachtenaufträge kommen nicht vom Geschädigten selbst, sondern über die Werkstatt, bei der er zuerst angerufen hat. Für die Werkstatt ist das ein Service am Kunden, für den Sachverständigen ein wichtiger Kanal. Damit die Übergabe nicht zur Stillen Post wird, hilft eine klare Reihenfolge.
- Erst die eigene Schadenaufnahme vollständig machen, mit Fotos und Fahrzeugschein.
- Den Kunden fragen, ob er schon einen Sachverständigen beauftragt hat oder ob du einen vorschlagen sollst. Die Entscheidung trifft der Kunde.
- Die Daten gesammelt an den Gutachter geben, nicht in mehreren Mails und Anrufen.
- Dem Kunden sagen, dass sich der Gutachter direkt bei ihm meldet, und wann ungefähr.
Hat deine Werkstatt eine eigene Meldestrecke, liegen die Angaben schon vollständig vor und lassen sich in einem Zug weitergeben. Wie der Weg vom QR-Code bis zur fertigen Meldung aussieht, zeigt die Seite So funktioniert es.
So startest du mit der digitalen Übergabe
Mindestangaben festlegen
Nimm die Tabelle oben und streich, was du nicht brauchst. Was übrig bleibt, wird Pflicht.
Einen Weg für alle Absender
Geschädigte, Werkstätten und Autohäuser nutzen denselben Link, bekommen aber passende Fragen.
Partner informieren
Gib den Link den Betrieben, mit denen du zusammenarbeitest, und bitte sie, Anfragen nur noch darüber zu schicken.
Was die Einrichtung kostet und was in den Stufen steckt, steht auf der Seite Pakete. Wenn du sehen willst, wie deine Anfragestrecke aussehen würde, melde dich für eine kostenlose Beratung.
Keine Rechtsberatung. Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Maßgeblich sind der jeweilige Versicherungsvertrag und die aktuelle Rechtslage; bei Fragen zum eigenen Fall hilft ein Verkehrsanwalt.
Quellen
Über den Autor
Christoph Brinke
Gelernter Lackierer und Kfz-Sachverständiger, heute Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH in Elchingen bei Ulm, die Mein Schadenfall betreibt. Er kennt die Schadenmeldung aus Werkstatt, Begutachtung und Abwicklung.
Christoph Brinke auf LinkedIn