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Schadenaufnahme im Betrieb

Offene Schadenfälle im Betrieb im Blick behalten: Liste, Status, Wiedervorlage

Ein Schadenfall bleibt gern dort hängen, wo der Betrieb auf andere wartet. Und Warten fällt erst auf, wenn jemand fragt.

Christoph BrinkeChristoph Brinke
Geschäftsführer, Smoke and Luck GmbH
5 Minuten Lesezeit

Kurz erklärt

Offene Schadenfälle behält ein Betrieb im Blick, wenn alle Fälle in einer Liste stehen, jeder einen Status, einen Verantwortlichen und einen nächsten Schritt mit Datum hat und das Team diese Liste regelmäßig durchgeht. Hängen bleiben Fälle besonders dort, wo der Betrieb auf andere wartet: Unterlagen, Gutachten, Freigabe, Teile, Zahlung. Schadenfälle und Schadensfälle meinen dasselbe.

Freitag, 15 Uhr: „Was ist eigentlich mit dem Golf vom Hagel?“

Der Kunde ruft zum dritten Mal an. Die Kollegin an der Annahme sucht im System, findet den Auftrag, aber keinen Vermerk seit zwei Wochen. Der Meister ist auf dem Hof, der Chef im Termin. Am Montag stellt sich heraus: Das Gutachten liegt seit Dienstag im Postfach des Meisters, die Freigabe hätte längst angefragt werden können.

Der Satz dazu ist bekannt: „Ich hab das im Kopf.“ Und lange stimmt er auch. Bis jemand krank ist, im Urlaub, oder bis es nicht fünf, sondern zwanzig offene Fälle sind. Dann ist der Kopf die einzige Stelle, an der der Stand steht, und niemand kommt heran.

Niemand im Team hat etwas liegen lassen. Das Gutachten war da, der Meister hatte viel zu tun, die Annahme wusste nichts davon. Das Problem ist kein Fehler einer Person, sondern ein fehlender Ort, an dem alle denselben Stand sehen.

Schadenfälle oder Schadensfälle?

Beide Schreibweisen sind richtig und meinen dasselbe. In der Versicherungssprache ist die Form ohne s verbreitet, im Alltag sind beide üblich. Für deine Liste ist nur wichtig, dass alle im Team dasselbe darunter verstehen: einen Schaden, der zu einem Vorgang in deinem Betrieb geworden ist. Mehr zu den Begriffen steht im Artikel Schadenmeldung, Schadensanzeige, Schadenfall.

Wo Schadenfälle hängen bleiben

Ein Schadenfall hat viele Stationen, und an den meisten wartet dein Betrieb auf jemand anderen. Genau dort bleibt er liegen, weil Warten keine Aufgabe zu sein scheint:

WartestelleWoran du sie erkennstNächster Schritt
KundeSchadennummer, Fahrzeugschein oder Fotos fehlenKonkret nachfragen, mit Termin, bis wann es da sein soll
SachverständigerBesichtigung ist gemacht, Gutachten noch nicht daNachfragen, wann es kommt
VersichererKostenvoranschlag oder Gutachten ist raus, keine FreigabeMit Schadennummer nachhaken
TeileFreigabe ist da, Teile noch nichtLiefertermin festhalten, Kunden informieren
TerminAlles da, aber kein ReparaturterminTermin vergeben
ZahlungAuto ist weg, Rechnung offenZahlungseingang prüfen, nachfassen
Typische Wartestellen eines Schadenfalls und der nächste Schritt aus Sicht des Betriebs.

Wie die Stationen insgesamt zusammenhängen, vom ersten Kontakt bis zur Zahlung, beschreibt der Artikel Schadensabwicklung im Kfz-Betrieb.

Eine Liste, sieben Felder

Ob Werkstattsystem, Tabelle oder Tafel im Büro: Wichtig ist, dass es genau eine Liste gibt und dass jeder offene Fall darin steht. Diese sieben Felder reichen:

  • Eingang: Datum und Weg, über den der Schaden kam.
  • Kunde und Fahrzeug: Name, Telefon, Kennzeichen.
  • Kostenträger: Versicherer und Schadennummer, oder Selbstzahler.
  • Status: wo der Fall gerade steht, mit festen Begriffen.
  • Zuständig: ein Name, nicht „wir“.
  • Nächster Schritt: was als Nächstes passieren muss und wer darauf wartet.
  • Wiedervorlage: das Datum, an dem jemand wieder draufschaut.

Das wichtigste Feld ist das letzte. Ein Fall ohne Wiedervorlage ist ein Fall ohne Plan. Er fällt erst wieder auf, wenn der Kunde anruft, und dann ist es der dritte Anruf.

Status, die jeder gleich versteht

Freie Notizen wie „läuft“ oder „warte noch“ helfen niemandem außer dem, der sie geschrieben hat. Feste Status machen die Liste lesbar, für jeden im Team:

  1. Gemeldet

    Der Schaden ist da, noch nicht gesichtet.

  2. Aufgenommen

    Angaben vollständig, Kostenträger geklärt oder angefragt.

  3. Gutachten oder Kostenvoranschlag

    Besichtigung organisiert, Gutachten oder Kalkulation in Arbeit.

  4. Freigabe angefragt

    Unterlagen sind beim Versicherer oder beim Kunden.

  5. Termin

    Freigabe da, Teile bestellt, Reparaturtermin steht.

  6. In Reparatur

    Das Auto ist in der Werkstatt.

  7. Übergeben

    Der Kunde hat sein Auto, die Rechnung ist raus.

  8. Abgeschlossen

    Die Zahlung ist eingegangen.

Acht Status sind kein Muss. Wichtig ist, dass dein Team sich auf eine Liste von Begriffen einigt und sie nicht nach Laune erweitert.

Die Runde: kurz, fest, mit der ältesten Wiedervorlage zuerst

Eine Liste hilft nur, wenn jemand hineinschaut. Am einfachsten ist eine kurze, feste Runde, zum Beispiel jeden Montag und Donnerstag zu Beginn des Tages, zehn bis fünfzehn Minuten im Stehen. Wer dabei ist: Annahme, Meister, bei kleinen Betrieben der Chef.

  • Zuerst alle Fälle, deren Wiedervorlage heute oder früher ist.
  • Bei jedem Fall nur zwei Fragen: Was ist der nächste Schritt? Wer macht ihn bis wann?
  • Fälle ohne Bewegung seit längerer Zeit kommen nach vorn, egal wie klein sie sind.
  • Was nicht in der Runde geklärt werden kann, bekommt einen Namen und ein Datum, keine Diskussion.

Die Zahl der offenen Fälle und die Zeit bis zur Freigabe sind dabei gute Kennzahlen, um zu sehen, ob sich etwas verbessert. Welche Zahlen sich für die Schadenannahme lohnen, steht im Artikel Kennzahlen der Schadenannahme.

Der erste Eintrag entscheidet über den Rest

Mancher Fall wird nicht erst später unübersichtlich, sondern schon beim Eingang. Kommt der Schaden als Anruf mit Notiz, als WhatsApp auf einem privaten Handy oder als Zettel an der Theke, muss ihn erst jemand in die Liste übertragen. Und was übertragen werden muss, kann vergessen werden.

Mit Mein Schadenfall kommt jede Meldung vollständig mit Fotos, Fahrzeug, Kennzeichen und Kontakt per Mail und steht zusätzlich im Dashboard, wo du alle Meldungen auf einen Blick hast. Nimmt dein Werkstattsystem Meldungen per Mail an, leiten wir sie dorthin weiter. Der weitere Fall mit Gutachten, Freigabe und Reparatur läuft dann in deinem System weiter; Mein Schadenfall ersetzt es nicht. Wie das aussieht, zeigt So funktioniert es.

Christoph Brinke, Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH

Über den Autor

Christoph Brinke

Gelernter Lackierer und Kfz-Sachverständiger, heute Geschäftsführer der Smoke and Luck GmbH in Elchingen bei Ulm, die Mein Schadenfall betreibt. Er kennt die Schadenmeldung aus Werkstatt, Begutachtung und Abwicklung.

Christoph Brinke auf LinkedIn

Antworten

Häufige Fragen

Heißt es Schadenfälle oder Schadensfälle?

Beides ist richtig und meint dasselbe. In der Versicherungssprache ist die Form ohne s verbreitet, im Alltag sind beide üblich.

Wie behalte ich offene Schadenfälle im Blick?

Mit einer einzigen Liste, in der jeder Fall einen festen Status, einen Verantwortlichen, einen nächsten Schritt und ein Wiedervorlagedatum hat, und mit einer kurzen, festen Runde, in der das Team die Liste durchgeht.

Welche Angaben gehören in eine Liste mit Schadenfällen?

Eingang, Kunde und Fahrzeug, Kostenträger mit Schadennummer, Status, zuständige Person, nächster Schritt und Wiedervorlagedatum. Mehr braucht es für den Überblick nicht.

Wie oft sollte das Team offene Fälle durchgehen?

Regelmäßig und zu festen Zeiten, zum Beispiel zweimal pro Woche für zehn bis fünfzehn Minuten. Entscheidend ist weniger die Häufigkeit als die Regel, dass jeder Fall ein Wiedervorlagedatum hat.

Brauche ich für offene Schadenfälle eine spezielle Software?

Nicht unbedingt. Prüf, ob dein Werkstattsystem Status und Wiedervorlage abbilden kann; sonst reicht für den Anfang eine gemeinsame Tabelle. Wichtiger als das Werkzeug ist, dass es nur eine Liste gibt.

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